Warum Amphibien gerne im Dunkeln wandern.

Ein Bericht über die mühsame Wanderung zu einem Laich-Teich
und einer fluchtartigen Rückkehr ins vertraute Habitat.
Zwischen Zersen und Krückeberg
Zwischen Zersen und Krückeberg

An feuchten Vorfrühlingsabenden können Autofahrer zwischen Zersen und Krückeberg warnwestenleuchtende Gestalten, mit Eimern und Stirnlampen bewaffnet, auf der Straße hin- und hergehen sehen. NABU-Mitglieder treiben hier im Dunkeln ihr Wesen. Sie retten Kröten, Frösche und Molche, also Amphibien, die im Straßengraben durch eine Barriere aus eingesetzte Leitplanken an einer Weiter-Wanderung gehindert
sind – bei dem Versuch in Nacht und Nebel am schnellsten  in den ehemaligen Mühlenteich von Frank Rinne zu kommen.
Leider irren sie: Viele Ihrer Fressfeinde sitzen um diese Zeit auf ihren Ästen oder Nestern und suchen erst am nächsten Morgen neue Beute; die motorisierten nächtlichen Feinde sind es, die hier eilig den Weg der amphibischen Wanderer kreuzen, ohne Rücksicht auf Verluste. Faszinierend ist zu beobachten, wenn man sie zum Test einmal auf der Straße aussetzt: Dann kriechen sie schnurstracks in Richtung Teich weiter!

Mit lärmenden Zweiachsern brettern diese über die Kröten hinweg. Manche der Rennfahrer steuern gezielt drüber hinweg, weil sie meinen, das wäre wohl unschädlich. Irrtum: Schon bei einer Geschwindigkeit von wenig mehr als 30 km/h platzen den Kröten die Lungen und sie bleiben – äußerlich nahezu unversehrt – leblos auf der Straße liegen. Nicht unerwähnt sei, dass diese Situation meist nur an den Enden der Grabenbarrieren vorkommt.

Kröten (sie gehören wie auch die Unken zur Familie der Froschlurche) können im Gegensatz zu Fröschen kaum hüpfen, insbesondere, wenn das verklammerte Lurchenmännchen huckepack auf dem Weibchen mitwandert; sie kriechen deshalb mit Vorliebe an feuchten Abenden und Nächten und bei Bodenemperaturen über 6° dorthin, wo sie sich paaren und ihren Laich ablegen können.

Krötenpaar auf gefährlicher Wanderschaft

Der Mühlenteich bietet von da an den geschlüpften  Kaulquappen einige Wochen ein Habitat (Lebensraum) mit guten Ernährungsmöglich-keiten. Später dann zur Sonnenwende, und wenn sie ihr Quappenstadium (Kiemenatmung) verlassen haben, suchen die juvenilen Kröten intuitiv die Habitate ihrer Eltern auf, wobei sie auf der Kreisstraße 86 durch die Autofahrer (und diesmal auch durch die Fraßfeinde) erneut gefährdet sind.
Insgesamt erreicht nur Eine von Tausend Kröten das natürliche Senioren-Höchstalter von bis zu 12 Jahren. Heute muss man ihre Wanderwege schützen und betreuen, weil die Zeit der überwiegend am Tage fahrenden, langsamen Ochsen- und Pferdegespanne längst vorbei ist.

Die über die Straße getragenen Amphibien werden nach Single und Pärchen sortiert erfasst, damit man über die Jahre verfolgen kann, wieweit Klimaänderung, Dünger- und Fungizid/Pestizideinträge oder lebensfeindlicher Bewuchs Auswirkungen auf ihre Lebensräume und Populationen haben. In diesem Jahr wurden 701 Amphibien gezählt.
Die toten Tiere werden von den ehrenamtlichen Sammlern bestimmt und dann dem Naturkreislauf zugeführt.

Nur weg von hier, in den Teich!