EIN- oder ZU-Wandern?

Eine Betrachtung

Wörter mit „Ein-“ bezeichnen Vorgänge, die das Innere oder den Kern von Etwas betreffen. „Zu-“ führt an dieses Etwas heran, nicht hinein. Ein  Zu-lauf ist nicht dasselbe wie ein Ein-lauf.
Ein Zu-gang ist nicht dasselbe wie ein Ein-gang: Der Eingang führt ins Innere eines Hauses; der Zugang eher auf den Eingang hin, in seine Nähe, und auch nur bis zum Eingang.
Zu-flüstern ist die eher harmlose Aktivität, damit ein Anderer die Wörter des Flüsternden nicht hören kann; Ein-flüstern ist auf das Innere gerichtet, will etwas bezwecken oder auslösen.

Zu-wanderer wollen sich den Einwohnern lediglich nähern, und sie wollen nicht eins werden mit ihnen. Sie bleiben zunächst kritisch auf Abstand.
Ein-wanderer (Emigranten) wollen in dem Land bleiben, in das sie ausgewandert sind; sie haben ihr Heimatland für immer verlassen, zumindest auf nicht absehbare, lange Zeit.
Migranten dagegen haben sich noch nicht entschieden, wollen sich erst einmal informieren und orientieren, oder abwarten, bevor sie sich entscheiden.

Solche semantischen Wortspiele haben nicht nur sprachwissenschaftliche Bedeutung, sie können die Aussagen in Diskussionen der Medien und der Politik verschleiern, aber auch aufhellen!