EIN- oder ZU-Wandern?

Eine Betrachtung

Wörter mit „Ein“ bezeichnen Vorgänge, die das Innere oder den Kern von Etwas betreffen. „Zu“ führt an dieses Etwas heran, nicht hinein. Ein  ZUlauf ist nicht dasselbe wie ein EINlauf.
Ein ZUgang ist nicht dasselbe wie ein EINgang: Der Eingang führt ins Innere eines Hauses; der Zugang eher auf den Eingang hin, in seine Nähe, und auch nur bis zum Eingang.
ZUflüstern ist die eher harmlose Aktivität, damit man die Worte des Flüsterers nicht hören kann; EINflüstern ist auf das Innere gerichtet, will etwas bezwecken oder auslösen.

Zuwanderer wollen sich den Einwohnern lediglich nähern, und sie wollen nicht eins werden mit ihnen. Sie bleiben zunächst kritisch auf Abstand.
Einwanderer(Emigranten ) wollen in dem Land bleiben, in das sie ausgewandert sind; sie haben ihr Heimatland für immer verlassen, zumindest auf nicht absehbare, lange Zeit.
Migranten dagegen haben sich noch nicht entschieden, wollen sich erst einmal informieren und orientieren oder abwarten, bevor sie sich entscheiden.

Solche semantischen Wortspiele haben nicht nur sprachwissenschaftliche Bedeutung, sie können die Aussagen in Diskussionen der Medien und der Politik verschleiern, aber auch aufhellen!

Gedanken zum Gedenken

In Deutschland ist der Volkstrauertag der Tag, der drei Generationen zuvor noch Heldengedenktag genannt wurde. Fixiert im  Monat November vor dem Totensonntag bietet er eine Gelegenheit sich zum Thema Gewalt Gedanken zu machen.

Amtsträger unter den Politikern, bei den Verbänden und Vereinen im ganzen Land erinnern aus diesem Anlass bei Kranzniederlegungen mit mehr oder weniger besinnlichen Worten an den Tod von Soldaten ( sogenannt Gefallene) der vergangenen Kriege, machmal auch von Blechmusik begleitet. An Denkmälern ist abzulesen, welche Einwohner eines Ortes im letzten Jahrhundert unter den schrecklichen Bedingungen des Machtkalküls des jeweiligen Landesherrn gestorben sind, für Ideen, die sie damals mittragen und erdulden mussten.
Kaum noch Publikum versammelt sich, was den Veranstaltungen einen Sinn gäbe; Beifall ist nicht angesagt, nur beredtes Schweigen.

Unter dem Eindruck der beziehungslosen Gedenkminuten, erhebt sich für später geborene die Frage: wozu der Aufwand und für wen?  Gibt es doch Gott sei Dank hierzulande kaum Familienangehörige, Freunde oder sonst wie Nahestehende, die vom plötzlichen Tod eines Soldaten direkt betroffen sind.

Doch überall auf der Welt, auch wieder in unserem Land, sterben Menschen als Opfer von Kriegsereignissen. Politiker, Analytiker und kirchliche Würdenträger beschreiben dieses Leid und rufen gebetsmühlenartig dazu auf, die Ursache von Auseinandersetzungen aller Art zu erforschen und daraus Lehren zu ziehen; die Medien berichten darüber spektakulär. Wie erfolgreich ist der Aufruf , welche Betroffenen wird es trösten?

Wir haben seit fast siebzig Jahren in unserem Land keinen Krieg mehr erleben müssen, wir leben in einem der wohlhabendsten Länder der Erde und leisten es uns, unsere an Kriegen reiche Vergangenheit zu vergessen: Unser Schulsystem fördert dies, weil der Geschichtsunterricht für unsere Kinder nur als ein trockenes, langweiliges Pflichtfach empfunden wird. Wie können unsere Nachkommen aus der Vergangenheit lernen, wie sollen sie Zusammenhänge erkennen, wenn kein geschichtliches Grundwissen vorhanden ist: Welche Bedeutung hatten die Christianisierungskriege Karls des Großen für die norddeutschen Sachsen, welche Folgen hatte der Dreißigjährige Krieg, der bis zu 40% der Bevölkerung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation das Leben kostete, etwa 6 Millionen Menschen? Deutsche Bürger reisen gern in alle Welt, besuchen Museen, Schlösser und großartige Kirchen. Wie sollen sie die Worte der Reiseführer in unsere Geschichte einordnen wenn sie sie nicht kennen?

Das meistgelesene Buch der Welt, die Bibel, und die historischen Nachfolgewerke zeigen auf, welche Opfer die Menschheit seit fast dreieinhalb tausend Jahren immer wieder hat bringen müssen. Woraus man nur folgern kann: an diesen „Opferritualen“ wird sich wohl nichts Wesentliches ändern.
Gewaltsamer Tod betrifft nicht nur Soldaten; jeder kann Opfer eines Verbrechens oder katastrophalen Ereignisses werden und den Angehörigen Leid und Trauer bringen, auch sie sollten am Volkstrauertag in das Gedenken einbezogen sein –  und sei es auch in Stein gemeißelt!

Pamphlet zur Schillathöhleneröffnung 2004

Eintrag ins Gästebuch  der Webseite der Stadt Hessisch Oldendorf im August 2004:

» Da entdeckt aus der Ferne ein heimatliebender, gelegentlicher Internetsurfer die magere Information, daß am 21. August 2004 die Eröffnung der Schillathöhle stattfinden soll. Obwohl Höhlenbesichtigungen für die Öffentlichkeit schon seit einem Jahr möglich sind, findet dieser späte Termin Verständnis. Manche Einrichtungen konnten wegen der oft üblichen rechtlichen, kommerziellen oder politischen Querelen wohl nicht früher fertig werden.

Nun ist eine Tropfsteinhöhleneröffnung weniger ein alltägliches als eher ein Jahrhundertereignis, das von allen Bewohnern der Umgebung gebührend gefeiert werden sollte. Weil man erstens Feste feiert, wie sie fallen, zweitens damit die Bindung an dieses neue Stückchen Heimat allgemein gefördert würde, und drittens alle Höhlen nicht Hoheitsgebiet des Grundeigentümers, der Politiker oder sonstiger Interessenverbände sind, sondern weil sie – wie alle Bodenschätze – dem Staat gehören und damit uns allen.

Und Schatzfunde wie die Schillathöhle müssen gefeiert werden; mit allen, die das Süntelgebiet als ihre Heimat kennen, aber auch mit denen, die das einzige Waldstück dieser Erde, in dem sich die Süntelbuchen seit der letzten Eiszeit durch Mutation entwickelt haben, bisher nur vom Autositz aus gesehen haben.

Was nun zu bemängeln ist: wie konnten Verantwortliche eine Eröffnungsfeier planen mit nahezu intimen Teilnehmerkreis, ohne alle betroffenen Höhlennachbarn einzuladen? Ohne ein Volksfest mit Blasmusik!

Eine wirkungsvollere Gelegenheit, Naturschutzbünde, Heimat, – Gesangs- oder andere musische Vereine mit Höhlenanwohnern zusammen zu bringen und zu feiern, kommt sobald nicht wieder!
An eine Tropfsteinhöhleneröffnung könnten sich die Kinder von Heute – und besonders zu erwähnen – auch die Neubürger und Zugezogenen nach vielen Jahren noch gerne erinnern.
Man kann nur das schätzen und lieben, was man kennt.
Schade. «

Der Verfasser hat aber mit einer gewissen Dickfelligkeit trotzdem am Festakt teilgenommen
 Der Eintrag wurde irgendwann in 2006 wieder entfernt.

 

Ehlen Landwirtschaftsminister

Ehlen, Landwirtschaftsminister Niedersachsen, anlässlich der Eröffnungsfeier