Buchprojekt 2015

Prolog

Den Bewohnern um die kleine Stadt Hessisch Oldendorf herum, zu beiden Seiten der Weser lebend, sollte in einem kleinen Buch auf 110 beschriebenen Seiten eine Möglichkeit gegeben werden, Ereignisse, die  im Laufe ihres Lebens, an Abenden oder in Nächten, als Prosa oder Lyrik von ihnen zu Papier gebracht wurden, auf einfache Weise zu veröffentlichen. Geschichten aus dem Gebiet des Weserberglands.

Sie zeugen davon, was die Autoren zu tiefsinnigen Menschen gemacht hat, erzählen in Episoden oder Anekdoten und halten etwas fest, das nicht vergessen werden soll – oder an Vergessenes wieder erinnern. Traktate oder Essays wurden nicht ausgeschlossen. Manchem wird diese Schreibarbeit leicht gefallen sein, andere hatten um eine genaue Formulierung gerungen, damit der Text das auch wiedergab, was er eigentlich aussagen sollte.

Die Erwartungen an das Lesegut sind so verschieden wie am Ufer angeschwemmtes Strandgut, die  Ansprüche der Leser natürlich auch. Die Kurzgeschichten wurden nicht länger als neun Buchseiten, und die schwierigen Texte auf den letzten Seiten angesiedelt. Das Inhaltsverzeichnis enthält auch eine Kurz-Vorschau der Beiträge.

Der Herausgeber hofft, dass der Käufer diese Geschichtensammlung mit Vergnügen lesen kann und zumindest nicht allzu streng beurteilt.

Das Buch ist im Verlag BoD (Books on Demand) erschienen und in allen Buchläden für 8,50 € erhältlich.  On Demand bedeutet: Der Verlag druckt das Buch erst, wenn es bestellt wurde und liefert es dann an den bestellenden Buchhändler. Die E-Bookversion wird auf gleiche Weise vertrieben.

Ferdinand Alms
Herausgeber

Bild: Das Wesertal mit dem Hohenstein

Einige Autoren sind hier geboren; manche sind hier sesshaft geworden,
für viele aber ist es der Handlungsort ihrer Geschichten.
Alle haben sie Freude am Erzählen und Fabulieren.
Und manchmal nehmen sie es mit der Wahrheit nicht so ganz genau.

Literarisches Strandgut?
Von den Wassern der Zeit rund geschliffene Geschichten haben den Charme eines Strandguts.
Gerade sie zeigen die Spuren der Vergangenheit.

Inhaltsverzeichnis

(1) Vorwort des Bürgermeisters                                                                                Harald Krüger
(2) Die Geschichte zu den Klein Berliner Geschichten                                             Jörg Künne

Version 1:
E
inem Berliner Gast, der um 1850 mit seiner Familie nach Hemeringen gekommen ist um die frische Luft, das gesunde Essen und die Natur im Weserbergland zu genießen, hat es hier angesichts der Freundlichkeit der Bewohner, der stattlichen Anzahl von Bauernhöfen und Mühlen, und nicht zuletzt wegen der Gasthöfe so gut gefallen, dass er Hemeringen kurzerhand in „Klein Berlin“ umbenannt hat.

Version 2:
    Die zweite Version der Namengebung wurde mir von einem Haverbecker übermittelt. Seinen Recherchen zur Folge waren die Hemeringer bereits vor der Annexion des Königreichs Hannover durch das Königreich Preußen im Jahre 1866 pro preußisch eingestellt. Die umliegenden Bergdörfer hatten wohl nicht den politischen Weitblick wie die Hemeringer oder lebten politisch „hinterm Berge“. Sie trauerten dem Königreich Hannover noch bis ins 20. Jahrhundert nach. Weil Hemeringen bereits so früh mit den Preußen sympathisierte nannten sie es spöttisch und boshaft „Klein Berlin“.

Nach der Veröffentlichung meiner kleinen Geschichten wurde mir von älteren Hemeringer Einwohnern die erste Version als wahrscheinlich bestätigt. Tatsächlich waren im 19. Jahrhundert nachweislich und sogar namentlich bekannt, wiederholt Feriengäste aus Berlin in Hemeringen. Diese wohnten immer im Dorfkrug, heute Hemeringer Straße 54.

Weil dieses sehr außergewöhnlich für die damalige Zeit war, gaben die Hemeringer voll Stolz ihrem Ort den Namen Klein Berlin. Dieser Name hat sich dann sehr schnell, auch in den umliegenden Ortschaften, als zweiter Ortsname für Hemeringen eingebürgert. Ganz gleich, welche Version die richtige ist – die heute hier lebenden Hemeringer sind stolz auf ihr „Klein Berlin“.

Beide Geschichten sind frei erfunden und eventuelle Ähnlichkeiten von Namen und Personen nicht beabsichtigt.

(3) Klein Berlin                                                                                                                      Jörg Künne

(4) Eins zu null für uns                                                                                                     Edith Mohr ………†
Wie man beim Fußballspiel gewinnen kann, ohne dass man davon etwas versteht.

(5) Der Teddybär                                                                                                                Edith Mohr ………†
Über die Versuche, einen Teddybären günstig zu erwerben.

(6) Stromsperrstunde                                                                                             Bernd Stegemann
Eine erfreuliche Überraschung am Kriegsende als Beginn einer Völkerverständigung.

(7) Ein Dorf im Wandel der Zeit                                                                        Wilhelm Diekmann
Eine Auflistung. Das einfache Arbeiten und Leben damals hatte eine Vielzahl an Berufen und Tätigkeiten zur Grundlage, die Menschen nahmen jedwede Arbeit an. Später ließ das Wirtschaftswunder Korbmacher und Zichorienbrenner aussterben.

(8) Bierbrauen in Oldendorf                                                                               Bernd Stegemann

Es gab mal eine Zeitspanne, da braute man in Hessisch Oldendorf ein hervorragendes Weißbier, lange bevor im Weserbergland bayerische Weißbiere auf den Tisch kamen.

(9) Bahn frei                                                                                                                     Rudi Küssner
[…] Die Bobbahn, ist aus Eis gebaut, das bringt Geschwindigkeit.
Man fährt auf ihr, wenn man sich traut, zu Viert und auch zu Zweit.
[…]

Ein Gedicht darüber, wie man auf eine Bahn kommen kann.

(10) Die Erfindung des Automobils                                                            Sammlung Stegemann

Aus einer Festrede des Oberforstmeisters Karl Lehmann zum 300-jährigen Jubiläum der Handwerkerfamilie Amelung in Hessisch Oldendorf im Jahre 1948.

(11) Der Sport-Zweisitzer                                                                                              Edith Mohr
Automobile waren früher nicht sehr zuverlässig und erforderten gehörige Fähigkeiten, um weiter zu kommen.

(12) Der Quiz-Preis                                                                                                          Edith Mohr ………†
Eine Geschichte über die Angst vorm Fliegen.

(13) Erlebnisse am Weserufer                                                                                Manfred Radke
Als man in der Weser noch viele Aale angeln konnte und dabei die Ruhe unterbrochen wurde.

(14) So könnte es gewesen sein                                                                                  Jörg Künne
Wie es zu den Hemeringer Schützen kam. Eine dramatische, frei erfundene Geschichte, basierend auf dem napoleonischen Befreiungskrieg am Anfang des 19. Jahrhunderts.

(15) Das Eichenblatt                                                                                                     Rudi Küssner
… Das Eichenblatt, man glaubt es nicht, träumt noch von Ruhm und Ehre.
Ein Mensch mit gleicher Absicht spricht – in dem Fall von Karriere

Ein Gedicht, das eine Verwendungsmöglichkeit des Eichenblattes schildert.

(16) Kuhlmann sin Brotherr                                                                               Bernd Stegemann
Vertrauen ist gut; Kontrolle kann wehtun.

(16) Sprachlos                                                                                                                 Gustav Denzer
Von der Leidenszeit eines Mannes, der seiner Frau nicht die ganze Wahrheit hat sagen können.

(17) Eisgang auf der Weser 1947                                                                         Bernd Stegemann
Extrem niedrige Temperaturen lassen die Weser völlig zufrieren; es droht eine Katastrophe im gesamten Wesertal.

(18) Sommerferien auf dem Lande                                                                  Dieter Sommerfeld
Eine romantische Schilderung über das jugendliche Landleben.

(19) Der Wattwurm Felix                                                                                                Rudi Küssner
[…] Man sieht ihn dann den Sand verschlingen und auch ein Türmchen bauen; dabei sucht er vor allen Dingen die schönen Wattwurm-Frauen […] Eine fabelhafte, lyrische Schilderung über das Leben eines Wattwurms.

(21) So war es!                                                                                                           Manfred Radke
Erwin seine Vorfahren lebten anfangs in einer halbwegs geordneten Welt; diese befand sich aber in einem großen Umbruch, als dann Erwin geboren wurde. Sein kleines Leben sollte dadurch sehr durchgeschüttelt werden. Eine sprachlich reizende Geschichte von besonderer Eigenart.

(22) Wölfe im Wesertal                                                                                            Bernd Stegemann
Heute diskutiert man über die Einwanderung des ehemals hier heimischen Wolfes. Vor dem 18. Jahrhundert fürchtete man ihn im Wesertal, die Bauernhöfe entrichteten sogar ein Wolfsfanggeld an den Grafen von Schaumburg.

(23) Die Hintere Straße                                                                                          Bernd Stegemann
Warum in Hessisch Oldendorf eine Straße ihren Namen wechselte.

(24) Aus dem Leben eines Berufskraftfahrers     Manfred Radke
Ein berufsmäßiger Kraftfahrer musste damals, als das Fahren noch halbwegs Spaß machte, auch Sanitäter sein. In dieser Funktion kam auch schon mal Übelkeit auf.

(25) Martinsabend                                                                                                   Ferdinand Alms

Herbstliche Vergnügungen der Kinder: Tradition und Brauchtum im Verlauf des wachsenden Wohlstandes. Nach dem 2. Golfkrieg erreichte Deutschland dann die Halloween-Welle.

(26) Schnipp, schnapp – da waren sie ab                                                       Irene Wietbrock

Das erste Opfer unter Tränen im Leben einer jungen Katholikin.

(27) Skotobend un Hinnerhand                                                                          Manfred Radke
Ein plattdeutsches Gedicht über eines Kartenspielers Leidenschaft und deren Auswirkung auf die Seelenruhe.

(28) Der Schock                                                                                                               Jörg Künne

Ob und wie man mit den Nomaden des Gartens Frieden schließen kann.

(29) Was ich glaube                                                                                                       Gustav Denzer

Irgendwann im Leben sollte man in seinem Glauben ganz ohne Zweifel sein. Der Autor betrieb ein akribisches Quellenstudium, um auf ganz sicherem Fundament zu stehen.

(30)                                                                          Liebe                                                      Anonymus

Solang die Welt steht, wird man danach suchen
solang ein Lied klingt, singt die Melodie.
Man wird sie wechselnd suchen
und verfluchen;
ihr
Zerrbild sieht man oft,
sie selber nie.

Wir glauben ihr in unsern stillsten Stunden
und schmähen sie im schweren Gang der Welt.
Kaum ahnen wir den Funken als gefunden,
da ist er uns am Leben
jäh zerschellt.

Wir gehn ihr nach:
Wie weit ist ihre Ferne
von Sehnsuchtstiefe bis zum letzten Spott?
Die Liebe ist so fern wie unsre Sterne.

Zeigt mir die Liebe:
Und ihr zeigt mir
Gott!

(31) Die Vorgeschichte zum Traktat                                                                           Ferdinand Alms
Eine vielleicht hilfreiche Einführung über die späte Auslösung einer Recherche zum ersten Mordfall auf dieser Welt.

      Als konfirmierter Andersglaubender hatte ich vor fünf Jahren erstmals die seltene Gelegenheit, im Münchner Gasteig Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ zu hören. Beim Hören von Oratorien habe ich das Problem, dass die Texte meist schwer zu verstehen sind. Und weil ich mich darauf nicht vorbereitet hatte, las ich den Inhalt der Genesis im 1. Buch Mose erneut danach zu Hause. Doch anders als bei Haydn, dem dabei so wunderbare Tongebilde einfielen, tauchten bei mir nun Unstimmigkeiten, logische Brüche und Fragen auf. Wenn die Gelegenheit es erlaubte, sprach ich darüber mit Menschen, die eine Resonanz erwarten ließen. Sprach also mit Vertretern der Kirchen: Es brachte mich nicht weiter.

    Sprach auch mit Jehovas Zeugen. Sie konnten sofort belegen, wo die Lösung zu finden wäre! Doch ich hatte Einwände: Die Belegautoren in der Bibel seien doch Jahrhunderte nach dem ersten Mordfall der Welt, manche sogar auch erst nach Christi Geburt geboren und hätten die Genesis nur dank ihrer Ausbildung deuten können; die Fundstellen seien also gar nicht authentisch, auch nur konstruiert!

    Um mir weiterzuhelfen gaben sie mir einen Zugang zu ihrer Bibel-Datenbank. So konnte ich in vielen Quellen schürfen – wurde aber auch dort nicht fündig. Womöglich ausgelöst durch meine Fragen tauchten zwischendurch sogar sogar Artikel zu dem Thema in ihren Gazetten auf (Wachturm, Erwachet!). Aber auch die befriedigten mich nicht. Zunächst sammelte ich die bisherigen Erkenntnisse über diese dubiose „Mords“- Geschichte in einem Zettelkasten und recherchierte weiter.

    Mir wurde bewusst: meine Deutungen wären ebenso nicht authentisch, sie würden aber das Ergebnis eigener Überlegungen sein. Diese Freiheit wollte ich mir nehmen! Das, was ich nun erstmals nach meiner Konfirmation in einem völlig anderen Lichte sah, irritierte und faszinierte mich und machte mich immer neugieriger. Sollte ich vielleicht auf etwas gestoßen sein, das hauptberufliche, religiöse Grübler trotz jahrelangem Quellenstudium übersehen hatten? Zunehmende Freude bei dieser mühseligen Feinarbeit hat mir geholfen, das Traktat zur Druckreife zu bringen.

(32) Das Traktat: Tatort am Rande des Paradieses                                                                   
Eine uralte Geschichte über erlaubte und unerlaubte Essensgewohnheiten – und der Versuch einer eindeutigen Aufklärung eines Brudermordes.

(33) Nachwort des Herausgebers                                                                                  

 

Ibornbach unterhalb der Ibornquelle mit gesinterten Kalkmoosen

Ursprünglich war dieses Bild als Buchrückseite vorgesehen, konnte aber leider vom BoDVerlag mangels drucktechnischer Vorlagen nicht realisiert werden.