Die Krötenwanderung

Warum Amphibien gern im Dunkeln wandern

Voraussichtlich beginnt ab letzten Februarwochenende(KW 9) die Wandersaison 2017!
    Zwischen Zersen und Krückeberg

     An feuchten Vorfrühlingsabenden können Autofahrer zwischen Zersen und Krückeberg warnwestenleuchtende Gestalten, mit Eimern und Stirnlampen bewaffnet, auf der Straße hin- und hergehen sehen. NABU-Mitglieder treiben hier im Dunkeln ihr Wesen. Sie retten Kröten, Frösche und Molche, also alle Amphibien, die im Straßengraben an einer eingegrabenen Leitplanken-Barriere gescheitert sind, bei dem Versuch in Nacht und Nebel am schnellsten  in den ehemaligen Mühlen-Teich von Frank Rinne zu kommen! Leider irren sie: Viele Ihrer Fressfeinde sitzen um diese Zeit auf ihren Ästen oder Nestern und suchen erst am nächsten Morgen neue Beute. Die motorisierten nächtlichen Feinde sind es, die hier eilig den Weg der amphibischen Wanderer kreuzen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Mit lärmenden Zweiachsern brettern diese über die Kröten hinweg. Manche der Rennfahrer steuern gezielt drüber hinweg, weil sie meinen, das wäre wohl unschädlich. Irrtum: Schon bei einer Geschwindigkeit von wenig mehr als 30 km/h platzen den Kröten die Lungen und sie bleiben – äußerlich nahezu unversehrt – leblos auf der Straße liegen. Nicht unerwähnt sei, dass diese Situation meist nur an den Enden der Grabenbarrieren vorkommt.

Kröten (sie gehören wie auch die Unken zur Familie der Froschlurche) können im Gegensatz zu Fröschen kaum hüpfen, insbesondere, wenn das verklammerte Lurchenmännchen huckepack auf

    Krötenpaar auf gefährlicher Wanderschaft

dem Weibchen mitwandert; sie kriechen deshalb mit Vorliebe an feuchten Abenden und Nächten und bei Bodenemperaturen über 6° dorthin, wo sie sich paaren und ihren Laich ablegen können. Der Mühlen-Teich bietet von da an den geschlüpften  Kaulquappen mindestens einige Wochen Habitat (Lebensraum) mit guten Ernährungsmöglichkeiten.

Später dann, zur Sonnenwende und wenn sie ihr Quappenstadium (Kiemenatmung) verlassen haben, suchen die juvenilen Kröten die Habitate ihrer Eltern auf, wobei sie auf der Kreisstraße 86 durch die Autofahrer (und diesmal auch durch die Fraßfeinde) erneut gefährdet sind. Insgesamt erreicht nur Eine von Tausend Kröten das natürliche Senioren-Höchstalter von 10 bis 12 Jahren.

Der Schutz ihrer Wanderungen ist heute erforderlich, weil die Zeit der überwiegend am Tage fahrenden, langsamen Ochsen- und Pferdegespanne längst vorbei ist. Die über die Straße getragenen Amphibien werden nach Single und Pärchen sortiert gezählt, damit man über die Jahre verfolgen kann, wie Klimaänderung, Dünger- und Fungizid/Pestizideintrag oder lebensfeindlicher Bewuchs Auswirkungen auf ihre Lebensräume und Populationen hat. Faszinierend ist zu beobachten, wenn man sie testweise einmal auf der Straße aussetzt: Dann kriechen sie schnurstracks in Richtung Teich weiter! Die aufgesammelten toten Kröten zählen die ehren-amtlichen Krötensammler und führen sie dem Naturkreislauf zu.

Nur weg von hier!

Nachrichten aus der alten Heimat

Umweltinformation vom Barkser Bach

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Am Rande der Streuobstwiese am Barkser Bach
Am Rande der Streuobstwiese am Barkser Bach

Die NABU-Gruppe Hessisch Oldendorf/Hameln e.V. verfolgt bereits seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts das Ziel, im Laufe der Zeit von Menschenhand erheblich veränderte Gewässer in einen natürlichen Zustand zurückzuführen. Noch vor wenigen Jahren wurde mit öffentlichen Mitteln die Verrohrung und Begradigung derartiger Gewässer finanziell unterstützt.
Es zeigte sich jedoch, dass derartige Maßnahmen nicht zukunftsweisend sind. Die Gewässer verarmen ökologisch gesehen, die Artenvielfalt und Selbstreinigungskraft nimmt ab; durch das schnellere Abfließen verschärfen die Wassermassen in den Unterläufen der Flüsse  zeitweilig die Hochwassersituation. Diese Probleme naturferner Gewässer sind inzwischen hinlänglich bekannt.

Die NABU-Gruppe Hessisch Oldendorf war die erste Ortsgruppe in Niedersachsen, die seinerzeit Bachrenaturierungen z.B. am Osterholzer Bach in Hemeringen und am Höllenbach in Langenfeld durchführte. Mit den Renaturierungsprojekt Barkser Bach stand jedoch eine besondere Herausforderung für die Mitglieder der NABU-Gruppe an, weil eine Plangenehmigung erforderlich war, bei der zudem hydraulische Nachweise in Eigenregie erbracht werden mussten.

Das NABU-Projekt hatte seit 1992 das Ziel, einen vormals verrohrten und begradigten Bachlauf auf einer Länge von 745 m wieder in ein natürlicheres Bett aus Wasserbausteinen zu bringen. Durch unmittelbare Anpflanzung von Erlen sollte in der Folge die Selbstreinigungskraft erhöht werden. Gleichzeitig wurden nicht standortgerechte Waldbestände (z.B. Fichtenmonokulturen) beseitigt.
So half neben den Schülern des Schillergymnasiums in Hameln auch die NAJU
des NABU Hessisch Oldendorf (Kindergruppe 3 bis 12 Jahre) bei der Entfernung der Bongossifaschinen aus dem Bachbett. Ein weiterer Biologie-Leistungskurs des Schillergymnasiums pflanzte eine mehrreihige Hecke zum Schutz des Gewässers vor Einträgen aus der Landwirtschaft.

Die NAJU-Kinder haben auch ein großes Insektenhotel am südlichen Rande des Kerbtals gebaut, sie unternehmen immer wieder Exkursionen am Bach entlang.

Im November 2010 wurden die Pflanzarbeiten mit Erlen, Eschen und Pfaffenhütchen zwischen Schutzhütte und ehemaligen Kläranlage fortgesetzt, ebenso die Anpflanzung der Streuobstwiese mit nicht handelsüblichen, selteneren Hochstamm-Obstbäumen.

Erlenpflanzung in Höhe der ehemaligen Kläranlage


Der Barkser Bach hat viele Quellen
Der Bach hat viele Quellen

Doch nun steht eine Erweiterung im Mittelteil des Baches bevor. Vielleicht hilft auch die Dorfgemeinschaft Barksen e.V. hierbei mit; dazu demnächst mehr an dieser Stelle, wenn ein neuer Vorstand gewählt worden ist.

Die alte Badeanstalt aus der Vorkriegszeit - heute
Dort, gleich neben dem Bach, haben in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Kinder schwimmen gelernt

Herbstvergnügen auf dem Lande

Wie Halloween alte Bräuche verdirbt

Längst schon ist die Zeit vorbei, als wir Kinder auf dem Acker noch die schrecklich heißen, halb verkohlten Kartoffeln aus dem Kartoffelkrautfeuer holten, sie mit klammen Fingern die schwarze Kruste aufbrechend vorsichtig verschlangen, ohne uns den Mund zu verbrennen, ohne Salz oder Butter und ohne Messer und Gabel, aber mit Händen, die denen der Schornsteinfeger in der Farbgebung sehr ähnelten. – Das war jedes Jahr unser erstes Herbstvergnügen.

Danach begann die Runkelrübenernte, die nur bedingt spaßig für uns war, denn das Hochwerfen auf den weiterfahrenden Erntewagen ließ wirklich keine Freude aufkommen. Belohnt wurde diese Hilfe auch nicht. Heute wäre das eine verbotene Kinderarbeit. – Also kein Herbstvergnügen, aber:

Weil es zu dieser Jahreszeit nun immer schneller dunkel wurde und es auch noch keine Straßenbeleuchtung gab, war das der Anlass, sich für eine selbstgebastelte Leuchte Stearinkerzen zu besorgen. Lampions wären als Lichtspender gut geeignet gewesen, kosteten aber Geld. Eine Taschenlampe? Undenkbar, sprengte nur das winzige Taschengeldbudget!
Man suchte sich deshalb auf den Rübenäckern die größte Runkel, höhlte sie mit einem Küchenmesser von oben her aus, schnitzte Augen, Nase und Mund hinein und – bestückt mit dem Stummel einer Kerze – war die Lampe fertig. Und wir hatten unseren herbstlichen Bastelspaß!.

Die Experten unter den Schnitzern wussten selbstverständlich, dass als Werkstoff zur Lampenherstellung sich niemals die spitze Zuckerrübe eignet, sondern immer nur eine ovale (Gemeine) Runkelrübe. Diese wurde normalerweise zusammen mit gehäckseltem Stroh einzig an das Vieh und die Schweine verfüttert!

Man trug sie auf Händen vor sich her, aber ein Licht, das den Weg gut beleuchtet hätte, gaben sie nicht ab. Aus den größeren Kürbissen aus dem Garten wären wohl bessere Lampen geworden, sie standen aber unter der Obhut der Mütter und waren deshalb tabu. Heute wird das Vieh mit importiertem Sojaschrot gefüttert und das Rübenlampenschnitzen kam aus der Mode; und dieses Herbstvergnügen ebenfalls.

In die lichtarme Zeit fällt auch der Brauch des Martinsabend-Singens im Dorf: Wir Kinder zogen von Haus zu Haus, stellten uns vor dem Hausflur auf und sangen das Lied

Martinsabend ist heut‘ Abend 

Martinsabend ist heut‘ Abend,
klingelt auf der Büchse.
Liebe Frau, gib uns was,
lass uns nicht so lange steh‘n,
wir müssen noch nach Kölle geh‘n.
Köln ist eine große Stadt,
da kriegen alle Kinder was.

Ich hör‘ den Schlüssel klimpern,
ich hör‘ den Schlüssel klappern.
Ich glaub‘, ich kriege ‘n Apfel.

Und wenn die Frau nichts in den Leinensack tat:

Weißer Zwirn, schwarzer Zwirn
alte Hexe gibt nicht gern!

Die Hausfrauen kamen dann mit einem Korb auf die Diele und füllten Äpfel und Nüsse in unsere Leinenbeutel; manche sogar ein oder zwei Sahnebonbons, oder ein Nappo. Sie waren schon in Papier eingewickelt – und wegen der praktischen Transportverpackung natürlich sehr begehrt!
Straßenlaternen erhellten bald den Martinsabendweg und die Menge der geschenkten Sahnebonbons vergrößerte sich. Eine Vielfalt an Süßigkeiten verdrängte Äpfel und Nüsse, das spätherbstliche Vergnügen erhielt eine neue Qualität

Den irischen Brauch des Halloween im November zu Allerheiligen, ähnlich der Walpurgisnacht zum 1. Mai, kannte man noch nicht. Er wurde im 19. Jahrhundert von irischen Auswanderern nach Nordamerika mitgenommen, später marktgerecht umgestaltet und schwappte als Folge des Zweiten Golfkriegs plötzlich auf unser Land über.  Die Karnevalssaison 1991 fiel aus – als Solidaritätsbeitrag wegen der  verweigerten  deutschen Kriegsunterstützung.  Seit 1. November 1991 zelebriert man in Deutschland deshalb  Halloween .

Welche Folgen die Halloweenwelle hatte, kann heute noch bei den Discountern gut beobachtet werden: Der Verkauf von sonderbaren Dracula-Utensilien wie Hexenkostüme, Skelette oder Gummibären in Fledermausform hat einen neuen, profitablen Wirtschaftszweig entstehen lassen. Auch die Kürbisse aus Mutters Garten werden nun gewerblich in großer Menge angebaut und liegen vorgefertigt als Beleuchtungskörper der besonderen Art auf den Verkaufstischen.
Die Tradition aus den Notzeiten des Heiligen St. Martin aber ist nahezu ausgestorben

Bei uns im Dorfe jedoch, gehen die Kinder noch jedes Jahr am Martinsabend auf gut beleuchteten Straßen umher und singen vor den Haustüren dasselbe Lied wie wir vor über 60 Jahren.  Zum Einsammeln der vielen süßen Sachen aber verwenden sie nun meist bunte Plastiktüten.

Und hin und wieder bekommen sie von einem kauzigen Spender stattdessen wieder Walnüsse und einen nicht marktfähigen Apfel aus eigener Ernte, von einem alten Hochstamm-Baum, der einen seltsamen Namen hat: „Kaiser Wilhelm“. Bei der Gelegenheit erzählt er ihnen davon, wie es früher einmal war, das letzte herbstliche Vergnügen vor der Advents- und Weihnachtszeit.
Inzwischen singen die Kinder in dem Lied „Liebe Frau, gib uns was, …“ angepasst, wenn nötig, „Lieber Mann, …“

Ferdinand Alms

EIN- oder ZU-Wandern?

Eine Betrachtung

Wörter mit „Ein“ bezeichnen Vorgänge, die das Innere oder den Kern von Etwas betreffen. „Zu“ führt an dieses Etwas heran, nicht hinein. Ein  ZUlauf ist nicht dasselbe wie ein EINlauf.
Ein ZUgang ist nicht dasselbe wie ein EINgang: Der Eingang führt ins Innere eines Hauses; der Zugang eher auf den Eingang hin, in seine Nähe, und auch nur bis zum Eingang.
ZUflüstern ist die eher harmlose Aktivität, damit man die Worte des Flüsterers nicht hören kann; EINflüstern ist auf das Innere gerichtet, will etwas bezwecken oder auslösen.

Zuwanderer wollen sich den Einwohnern lediglich nähern, und sie wollen nicht eins werden mit ihnen. Sie bleiben auf Abstand.
Einwanderer(Emigranten ) wollen in dem Land bleiben, in das sie ausgewandert sind; sie haben ihr Heimatland für immer zu verlassen, zumindest auf nicht absehbare, lange Zeit.
Migranten dagegen haben sich noch nicht entschieden, wollen sich erst einmal informieren und orientieren oder abwarten, bevor sie sich entscheiden.

Solche semantischen Wortspiele haben nicht nur sprachwissenschaftliche Bedeutung, sie können die Aussagen in Diskussionen der Medien und der Politik verschleiern, aber auch aufhellen!